Angekommen und eingelebt

Wie die Zeit nur vergeht. Seit mehr als acht Wochen sind wir nun hier und haben bereits viele Eindrücke sammeln dürfen und Routine ist eingekehrt. Routine in unserer Arbeit und wir haben uns den Gewohnheiten der Bevölkerung, dem Klima und der Umgebung angepasst. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und somit sind auch wir bereits vollkommen hier angekommen.

Im Folgenden möchten wir euch, Einblicke in unseren Arbeitsalltag und in besondere Tage geben.

 

Happy Feast Day

Was das genau bedeutet oder was das ist, haben wir auch nicht ganz genau gewusst. Daher haben uns die Schwestern aus Ennerdale mit nach Booksburg, dem sogenannten Provincial House, mitgenommen, um dort den „Feast Day“ zu feiern. Dieser Tag ist eine Art Thanksgiving und für diesen Tag sind Schwestern aus der ganzen Provinz, also aus Lesotho, Sambia und Südafrika, zusammengekommen, haben gefeiert und sich ausgetauscht. Die Schwestern haben sich besonders gefreut, dass wir als Volontärinnen dabei waren, da nicht in jeder Gemeinschaft Volontärinnen sind, aber Volontäre/innen ein wichtiger Teil der salesianischen Familie sind.
Im Vordergrund des Tages stand aber die Provinzleiterin Sr. Marie-Claire, denn ihr zu Ehren wurde an diesem Tag gefeiert, ausgiebig gegessen und gesungen und wenn die Schwestern feiern meinen, dann fällt darunter sehr viel Gesang, verschiedene afrikanische und internationale Tänze und viel Gelächter. Daher haben wir Volontärinnen es uns auch nicht nehmen lassen und haben neben einem einstudierten Beitrag auch eine Spontaneinlage mit dem Wiener Walzer hingelegt. 

 

VIDES-Seminar

Anfang Oktober wurden wir und zwei Schwestern zu einem Seminar eingeladen. Das Besondere an diesem Seminar war, dass es von der Organisation VIDES veranstaltet wurde, also die Organisation mit der wir hier im Einsatz sind. Dazu ist Sr. Anncie extra aus Italien angereist. Das Ziel dieser Veranstaltung war es, VIDES den einheimischen Jugendlichen und den Schwestern hier näher zu bringen, um in Zukunft auch VIDES Standorte in Lesotho, Sambia und Südafrika aufzubauen. Dabei geht es darum, dass man seine eigene Zeit und seine Talente investiert, um sich freiwillig im eigenen Land zu engagieren. Die Jugendlichen bzw. Erwachsenen waren sehr begeistert von dieser Idee und zeigten auch viel Interesse und Engagement, welches auch gegeben sein sollte, um diese Idee zu verwirklichen. Da wir bereits im Einsatz sind, konnten wir von unserer Vorbereitung, unseren Erwartungen und unseren bisherigen Eindrücken und Erfahrungen erzählen. 


 

Pines Resort
Wir dürfen uns stolz Mitglieder des Kinderchors nennen. Auch wenn uns die Kinder fragten, ob es nicht komisch ist, mit Kindern als Erwachsene zu singen. Die Antwort ist: Nein. Eigentlich sind wir im Kinderchor um Sr. Maria zu unterstützen, aber es hat auch noch andere Vorteile, nämlich, dass man bei den Ausflügen dabei sein darf. Und wie wir das waren! Als wir erfahren haben, dass es ins Pines Resort, also einem Wasserpark, geht, haben wir uns nicht großartig Gedanken gemacht, sondern sind einfach mitgefahren. Aber vor Ort ist dann unser inneres Kind mit uns durchgegangen. Alle unterschiedlichen Wasserrutschen haben wir unsicher gemacht, aber unser größtes Highlight des Tages war, dass es rund um die Schwimmbäder total viele Feuerstellen gibt, um sein eigenes Barbecue, oder wie man hier sagt, sein eigenes Braai, zu machen. Und das haben wir! Also eine perfekte Kombination: Wasserspaß & Barbecue.
Für die Kinder war der Tag ein absolutes Highlight und keines der Becken war tiefer als 1.2m, da viele nicht schwimmen können. So auch unsere Kinder und daher waren die Schwimmlehrer Anna und Klara natürlich sofort zur Stelle. 



 

Alltag im Kindergarten

 

Ich, Anna, arbeite seit meiner Ankunft in Südafrika im Kindergarten, in der sogenannten Pre-School. Dort arbeite ich zusammen mit meiner Kollegin Sibongile in der Grade R Klasse. Hauptsächlich arbeiten wir daran, den Kindern schreiben und rechnen beizubringen, um sie auf die 1. Klasse Volksschule so gut es geht vorzubereiten. Da ich die neue Lehrerin bin und zudem noch jung bin, haben die Kinder sehr viel Spaß daran, mit mir zu tanzen, zu singen und immer das Gegenteil von dem zu machen, was ich ihnen sage. Daher ist mein Alltag im Kindergarten immer sehr laut und bunt, aber trotzdem sehr spannend und liebend. Nach dem Mittagessen heißt es aber dann üben, üben, üben. Am 23. November findet nämlich das Christmas Play und die Graduation statt. Dafür haben die Kinder ein Weihnachtsstück zusammen mit Schwester Maria einstudiert und ich darf meine meistens lieben Kinderlein mit der Gitarre begleiten. Das einzige Problem in meiner Klasse ist die Sprache. Die Nationalsprache ist eigentlich Englisch, doch viele bzw. die meisten sprechen zuhause eine der elf offiziellen Sprachen. Daher ist es Tag für Tag für mich eine Challenge zu erkennen, was den Kindern fehlt oder welches Problem sie haben. Doch nach bereits 8 Wochen, kann ich stolz berichten, dass meine Kinder Fortschritte machen und bereits versuchen mit Händen und Füßen mit mir Englisch zu sprechen und mich auch versuchen zu verstehen. 


 

Alltag in der Schule
Seit genau einem Monat arbeite ich nun in der Volksschule und darf als zweite Lehrerin in der dritten Klasse tätig sein.
Warum braucht man zwei Lehrerinnen in einer Volksschulklasse?
Ganz einfach: 41 Kinder sind in meiner Klasse und Großteils der Kinder haben gravierende Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Das Fundament, das hier im Kindergarten oder in den ersten Schuljahren gelegt werden sollte, fehlt also. Das Ziel ist daher, dass man durch eine zweite Lehrperson das Beste aus dieser Situation noch herausholt.
Mir macht die Arbeit mit den Kindern fast immer wirklich eine Freude, da ich das Gefühl habe, zwar nur im Kleinen, aber dennoch etwas bewirken zu können, da ich Zeit für Einzelbetreuung habe und somit auf jeden einzeln eingehen kann, bis sie es verstehen. Denn bei einer so großen Klasse, wird alles nur einmal an der Tafel erklärt und jeder sollte es danach umsetzten. Für die, die sehr gut in der Schule sind, ist das kein Problem, so jedoch nicht für all die anderen.
Nichtsdestotrotz packt es mich immer wieder aufs Neue, wenn ich die Hintergründe von vielen Kindern erfahre. Denn diese Kinder können nichts dafür, haben aber keinen einfachen Start im Leben. Von drogenabhängigen Eltern, Waisenkindern, Gewalt, wie auch sexuelle Gewalt, in der Familie, bis hin zu Kindern die wieder in die Schule zurückgekommen sind, nachdem sie mehrere Jahre auf der Straße gelebt haben. Und es gibt noch so viele Dinge, wie auch Krankheiten, die man als Außenstehender nicht weiß, da sie nicht angesprochen werden.
Schule ist für die Kinder somit ein schöner Ort, zu dem sie gerne gehen. Ein Ort an dem sie warmes Essen in der Früh und zu Mittag bekommen und wo sie mit ihren Freunden spielen können. Das bedeutet aber nicht, dass sie gerne lernen. Und das bedeutet auch nicht, dass sie auf das hören, was ich sage. Denn das ist bis jetzt für mich die größte Challenge: 41 lebhafte Kinder, die gerne tanzen, singen, streiten und spielen, besonders nach dem Essen, unter Kontrolle zu bringen. Aber mit der Zeit findet man seine Strategien und wächst in seine Rolle hinein.


Geschichten & Ereignisse die uns bis jetzt aufgefallen sind

BEWUSSTSEIN FÜR MÜLL

Die Kinder, wie auch die Erwachsenen, haben leider keinen richtigen Bezug zu Müll und dessen Belastung für die Umwelt. Plastik egal wo man auch hinschaut. Jede noch so winzige Süßigkeit wird in mind. zwei Schichten Plastik eingewickelt und jedes einzelne Hühnchenteil ist extra verpackt, zusätzlich zur normalen Verpackung. Als wir darauf aufmerksam gemacht haben, haben wir als Antwort bekommen: „Schon super, wie hygienisch das verpackt ist, nicht wahr?“.

Es gibt ein Entsorgungssystem, aber das wird nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung in Anspruch genommen, da diese Dienstleistung etwas kostet und man es somit nicht wert findet, dafür sein Geld auszugeben. Die Kinder wachsen somit in einer Gesellschaft auf, in der es normal ist, seinen Müll einfach auf der Wiese zu entsorgen oder das Fenster (sofern eines vorhanden ist) aufzumachen, um den Müll hinauszuwerfen oder ihn einfach zu verbrennen und übernehmen diese Denkweise und dieses Handeln. Eines Tages, als die Kinder im Kindergarten im Freien gespielt haben,  haben plötzlich alle angefangen vor Freude zu schreien und zu lachen, bis wir in den Himmel geschaut haben und verstanden haben, warum. Ein Himmel voller Müllconfetti. Vielleicht, da gerade eine Wiese großflächig vom Müll befreit wurde und somit aufgewirbelt wurde oder vielleicht auch nur vom Wind. Nichtsdestotrotz die Kinder haben vor Freude gelacht. Uns ist das Lachen vergangen.

Daher versuchen wir in unserem Alltag die Kinder darauf aufmerksam zu machen und sie zu animieren ihren Müll fachgerecht wegzuwerfen. Auch wenn das nicht immer so einfach ist, denn meistens kommt als Antwort, dass das nicht ihr Müll ist und sie es somit nicht entsorgen müssen, aber mit der Zeit wird es immer besser. Andere Mentalität. Andere Denkweise. 

 

ZEITMANAGEMENT

Deutsche und Österreicher werden ja als sehr genaue und pünktliche Menschen stereotypisiert. Hier treffen wir aber auf eine andere Parallele, denn Pünktlichkeit wird hier nicht viel an Bedeutung zu geschrieben. Somit haben wir auf unsere Bekannte, die uns die Braids gemacht hat, vier Stunden gewartet oder beim Workshop bei dem wir teilgenommen haben, sind die Teilnehmer statt um 8 Uhr erst um 9 Uhr zum Frühstück aufgetaucht und somit hat sich alles nach hinten verschoben. Entschuldigungen fallen hier aber aus, denn man bedankt sich eher, dass die Person noch aufgetaucht ist, anstatt dass sich die Person entschuldigt, die Verspätung hat.

 

 

BITTE – DANKE – ENTSCHULDIGUNG
Die magischen Wörter. Jeder kennt sie und bereits als kleines Kind, werden diese einem beigebracht.
Viele Erwachsene und Kinder sehen vieles aber als selbstverständlich und somit erhält man oft Anweisungen anstatt Fragen.
Somit wird sich nicht bedankt, wenn man jemanden einlädt, da es für sie selbstverständlich ist.
In  meiner Klasse (Klara) hat jedes Kind nur einen Bleistift, nur manche haben auch einen Radiergummi. Aus diesem Grund, habe ich als Lehrerin immer einen Radiergummi und die Kinder kommen zu mir und „fragen“ mich, ob sie den ausleihen dürfen, wenn sie ihn brauchen.
Fragen in Anführungszeichen, da „Gib mir den Radiergummi!“ für mich nicht ganz als Frage zählt. Aus diesem Grund müssen die Kinder nun die magischen Wörter verwenden, wenn sie den Radiergummi oder etwas anderes von mir möchten und erstaunlicherweise funktioniert das mittlerweile richtig gut. Manche formulieren somit richtig höfliche Sätze, wie „Ma’am Klara, kann ich bitte den Radiergummi haben?“, manche bleiben sich selbst treu und sagen „Gib mir den Radiergummi, bitte!“

 

 

Zusammenfassend kann man sagen: Alltag und Routine ist eingekehrt, aber dennoch erleben und sehen wir laufend neues. Zu zweit dieses Abenteuer zu bestreiten, ist eine wahre Bereicherung und wir freuen uns auf den Sommer (in Österreich Winter), da hier ein paar Abenteuer und Reisen auf uns warten!

 

Wir werden euch am Laufenden halten!

 

Sonnige Grüße aus Südafrika!

 

 

Eure Anna & Klara