Willkommen im neuen zu Hause

Samstag, 7. September 2019, rund 21:15 Uhr, Flughafen Wien.
Unser Flieger hat nach rund einer dreiviertel Stunde Verspätung endlich abgehoben und unser großes Abenteuer konnte starten. Nach einem kurzen Stopp in Istanbul stand für uns beide der erste Langstreckenflug in unserem Leben an.
Am Flughafen in Johannesburg wurden wir herzlich von Sr. Giovanna, die die Leiterin der Schwesterngemeinschaft ist, in der wir mit leben, und von Mashadi, einer jungen Mitarbeiterin der Schule, empfangen.

UNSERE ERSTEN EINDRÜCKE
Wir leben zirka eine Stunde außerhalb von Johannesburg und während der Fahrt vom Flughafen zu unserem temporären neuen Zuhause fiel uns sofort auf: Südafrika ist ein Land der Gegensätze. Reichtum und Bodenschätze treffen auf Müll, Slums und Abholzung.
Wo man am Stadtrand noch viele mediterrane Villen vorfindet, findet man ein paar Minuten entfernt Tausende von sogenannten „Shucks“. Dadurch dass wir in der am wirtschaftlich- stärksten Provinz von Südafrika, nämlich Gauteng, leben, zieht es viele aus Südafrika oder benachbarten Staaten hier her, finden aber keinen Job und somit leben ganze Familien in diesen kleinen Einzimmerhütten.

ABER WO LEBEN WIR?
Als wir in unsere Siedlung eingebogen sind, waren wir erstaunt. Erstaunt im positiven Sinne. Direkt angrenzend zu diesen Slumsiedlungen findet man unsere wirklich sehr schöne Siedlung vor – plötzlich eine komplett andere Parallele.
Wie bereits erwähnt: Südafrika – Land der Gegensätze.
Wir leben in einem Haus mit fünf Schwestern, aus fünf verschiedenen Nationen. Italien, Irland, Vietnam, Sambia & Lesotho. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen, haben einen eigenen Teil des Hauses für uns, quasi wie ein Apartment und haben sogar den Luxus einer Waschmaschine.
Alles in allem: Wir leben hier erstaunlich gut.
Und das Wichtigste: Wir leben vor allem auch sicher. Zwar sind wir mit zwei Schwestern, die Einzigen in der ganzen Gegend, die weiß sind und dementsprechend muss man sehr aufpassen, aber dadurch dass wir nicht direkt in der Stadt Johannesburg leben, ist die Gefahr vor Angriffen und dergleichen gering(er). Wie erwähnt leben wir sicher. Sicher aufgrund unserer Lage, unserer Unterkunft, die eingezäunt und alarmgesichert ist und von den beiden Hunden Coco und Chasie bewacht wird, die zwar nicht beißen oder angsteinflößend sind, aber die dennoch fremde Leute fernhalten.


UNSERE ARBEIT
Rund zwei Kilometer von unserem Wohnort entfernt sind unsere Arbeitsplätze. Die Pre-School und die Primary School. Anna arbeitet in der Pre-School (Kindergarten) und Klara wird ab Oktober in der Primary School (Volksschule) arbeiten. Der Kindergarten trägt mit Berechtigung den Namen „Pre-School“, da es eher einer Vorschule gleicht, als einem Kindergarten. Die Kinder im Alter zwischen drei und sechs müssen schon sehr viel lernen, aber durch das Lernen in der gesamten Gruppe werden meist nicht alle gefördert und somit bleiben viele auf der Strecke in Punkto lesen, schreiben und rechnen und das wird in den folgenden Schulstufen nicht mehr aufgeholt. Das ist auch der Grund warum viele in der siebten Klasse (letzte Klasse in der Volksschule, die Kinder sind zirka 12-13 Jahre alt) nicht sinnerfassend lesen, schreiben oder rechnen können. Am Freitagnachmittag sind wir Teil des Oratoriums, das bedeutet, dass Kinder aus der Gegend zusammenkommen, man mit ihnen gemeinsam spielt und sie einen Input von Sr. Maria zum Abschluss bekommen. Am Samstag findet der Kinder- und Jugendchor statt und am Sonntag sind wir Teil der Jugendgruppe nach dem Gottesdienst.


Derzeit sind wir noch damit beschäftigt alles kennenzulernen und eine Routine zu finden, dennoch konnten wir bereits unsere Fähigkeiten im musikalischen und kreativen Bereich einbringen.
Anna studiert daher mit den Kindern vom Kindergarten und mit dem Kinder- und Jugendchor Tänze und Lieder ein, während Klara den Kindergarten wieder in neuem Glanz erstrahlen lässt.


KLIMA
Vorteil für uns war, dass keine Zeitverschiebung für uns herrscht und wir somit keinen Jetleg hatten. Dennoch ist das Klima eine Umstellung, denn in der Nacht ist es für unsere Verhältnisse besonders kalt, dafür wird es aber am Tag sehr warm. Das stellt so manche Schwierigkeiten am Morgen dar, da man sich für unterschiedliche Temperaturen kleiden muss. Wenn sie hier „Nacht“ sagen, dann meinen sie alles zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens, denn zirka um 18 Uhr wird es innerhalb kürzester Zeit dunkel und somit auch kalt. Und das das ganze Jahr über.
Die Jahreszeiten sind im Vergleich zu Österreich verschoben und somit ist hier gerade Frühling und bald kommt der heiße Sommer.

HAARE
Afrikaner toben sich bei ihren Haaren ganz nach Lust und Laune aus. Auch wenn sie sehr von unseren glatten und weichen Haaren fasziniert sind, lassen sich doch mehr Frisuren, vor allem längerfristige, mit ihren Haaren kreieren. Aus diesem Grund findet man alle verschiedenen Variationen von Flechtfrisuren, mit oder ohne Kunsthaar, auf den Köpfen der Kinder und Erwachsenen und wenn man einen „Bad-Hair-Day“ hat, wird das gekonnt mit einem Turban namens „Tuk“ mit traditionellen Stoffen kaschiert. Als Volontärinnen möchte man alles ausprobieren, was anders ist, als in der eigenen Kultur, aus diesem Grund konnten wir es uns nicht nehmen lassen, uns „Braids“ machen zu lassen.


HERITAGE-DAY
Der „Heritage-Day“ ist der wichtigste offizielle Feiertag in Südafrika und ist am 24.September. An diesem Tag werden alle unterschiedlichen Kulturen Südafrikas geehrt, viiiiel getanzt und traditionelles Essen gekocht. Da an diesem Tag die Schulen geschlossen sind, haben wir ihn bereits einen Tag zuvor in der Pre-School vorgefeiert. Alle Kinder und auch Erwachsenen haben ihre traditionellen Kleider und Outfits getragen und natürlich haben wir als Österreicherinnen uns das nicht entgehen lassen, um unser Dirndl stolz zu präsentieren.


FAZIT
Zusammenfassend: Uns geht es sehr gut!
Wir hatten/haben einen guten Start in unser Volontariat bzw. in unser Abenteuer, dass wir zu zweit erleben und sind auch ein wenig stolz auf uns, dass wir nach nur kurzer Zeit (fast) alle Namen der Kinder bereits lesen, schreiben und sprechen können.
Wir senden euch sonnige Grüße aus Südafrika - Bis zum nächsten Mal!
Eure Anna & Klara

Fotographische Impressionen